Aus der Landeszeitung vom 03.02.2010

Tobias Kühn, Jungschiedsrichter des Jahres, kennt keine Angst auf dem Fußballplatz

Brust raus und laut pfeifen : Tobias Kühn und die Utensilien, mit denen er sich glücklich fühlt: Pfeife, Gelbe und Rote Karten sowie Fußbälle. Der 16-Jährige wurde jüngst zum Jungschiedsrichter des Jahres gewählt.


Foto: t&w

cr Adendorf. Lustig, selbstbewusst und durchsetzungsfähig - mit diesen Worten würde sich Tobias Kühn aus Adendorf beschreiben. Und gerade Letzteres ist für ihn von immenser Bedeutung. Denn Tobias ist Schiedsrichter, mit erst 16 Jahren der Chef auf dem Platz. Jüngst wurde er zum Jungschiedsrichter des Jahres 2009 gewählt, seine erste große Auszeichnung als Referee.

Mit einer Sondergenehmigung - eigentlich ist er erst mit 18 Jahren dazu berechtigt - darf er seit Herbst vergangenen Jahres Spiele der Herren-Kreisliga pfeifen und ist als Assistent sogar bis in die A-Junioren-Niedersachsenliga aktiv. Meist ist er der Jüngste auf dem Platz. Wird er da überhaupt ernst genommen? "Das ist gar kein Problem", so der Schüler, der weiß, wie man sich zwischen den älteren Männern Respekt verschafft. "Brust raus, laut pfeifen und Hemd in die Hose stecken", so lautet sein Rezept.  

Begeisterter Fußballer war Tobias, der selbst Spieler der U 17 des TSV Adendorf ist, schon immer, Schiedsrichter wurde er eher zufällig vor vier Jahren. "Mein Bruder hatte ein Spiel, wo der Schiedsrichter nicht kam. Da bin ich eingesprungen und alle waren total begeistert." Nach einem Lehrgang, auf dem er seinen Schiedsrichterschein machte, entwickelte sich die Leidenschaft für das Pfeifen. "Es reizt mich, dass ich die Gewalt über die Spieler habe", so der Zehntklässler der Schule am Katzenberg, der diese Macht des Schiedsrichters als Spieler selbst jedes Wochenende erfährt. "Ich habe aber deswegen kein Mitleid mit den Spielern, bei mir drücken die Schiedsrichter ja auch kein Auge zu."

Jeden Monat muss Tobias einen Lehrgang in Lüneburg besuchen, auf dem Regelkunde ansteht, einmal im Jahr werden die Schiedsrichter dann auf ihr Können, unter anderem auch Kondition, geprüft. "Da ich aber selbst Fußball spiele, bin ich fit", so der 16-Jährige, der nebenbei auch noch die Adendorfer U 9 trainiert.  Noch fehlt ihm etwas Erfahrung, sodass er vor jedem Spiel leichte Nervosität verspürt, die mit dem Anpfiff jedoch verschwindet. Und pöbelnde Zuschauer bringen ihn schon gar nicht aus dem Konzept. "Das geht in ein Ohr rein und aus dem anderen raus", schmunzelt Tobias. Als nächstes hofft er, die Berechtigung für das Pfeifen in der Bezirksliga zu erhalten. Selbstbewusst wie Tobias aber ist, hat er natürlich noch höhere Ziele. "Ich will so weit oben pfeifen wie möglich". Wer ihn kennenlernt, wüsste nicht, was diesen selbstbewussten Jugendlichen davon abhalten sollte.

Und vielleicht können die Lüneburger Tobias in einigen Jahren ja bestaunen, wenn er seinen Traum erfüllt und ein Spiel zwischen seinem Lieblingsverein FC Bayern München und dem HSV leitet. Bis dahin heißt es erstmal: Hemd in die Hose und Brust raus.